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MBTI: Was der Myers-Briggs Persönlichkeitstest über dich aussagt

MBTI, Myers-Briggs Persönlichkeitstest (Foto: Junge Frau hält ein abgebrochenes Stück Vergrößerungsglas vor ihre Augen)

Kurzfassung: Der MBTI – kurz für Myers Briggs Type Indicator – ist ein bekannter Persönlichkeitstest, der deine Persönlichkeit einem von 16 verschiedenen Typen zuweist. Der Test ist umstritten: Auf der einen Seite wird er von Unternehmen häufig zum Assessment eingesetzt und hat unzähligen Menschen bereits geholfen, ihre Balance zu finden. Auf der anderen Seite wird allen voran von Psychologen Kritik an ihm geübt, weil ihm die wissenschaftliche Basis fehle. Die aussagekräftigsten Ergebnisse erhalten selbstreflektierende und ehrlich antwortende Personen. Ihnen kann der Test durchaus helfen, sich besser kennenzulernen und vor allem bessere Entscheidungen zu treffen.

Der MBTI – Myers Briggs Type Indicator – ist ein Persönlichkeitstest, der vor allem in den USA eine große Bedeutung hat. Von Unternehmen geschätzt und von Psychologen kritisiert, charakterisiert dieser Test Menschen nach unterschiedlichen Merkmalen. Aus diesen Merkmalen ergibt sich einer von 16 verschiedenen Persönlichkeitstypen.

Doch was bringt mir der MBTI Persönlichkeitstest ganz konkret? Und warum wird er von über 88 % der Fortune 500 Unternehmen in 115 Ländern eingesetzt und von Menschen wie Ray Dalio in den Himmel gelobt, während viele Psychologen von ihm abraten?

1. Was ist der MBTI?

Der MBTI wurde von Katherine Cook Briggs und ihrer Tochter Isabel Myers gemeinsam entwickelt. Er basiert auf Carl Jungs Buch Psychologische Typen aus dem Jahre 1921.

Die Persönlichkeit des Menschen wird dabei in 4 Hauptklassen unterteilt:

  • I/E – Introversion gegenüber Extraversion
  • N/S – Intuition gegenüber Sensing
  • F/T – Feeling gegenüber Thinking
  • J/P – Judging gegenüber Perceiving

In jeder dieser Klassen tendiert der Mensch laut MBTI zu einer Ausprägung, wodurch sich eine vierstellige Buchstabenfolge (z.B. ENTJ) ergibt und damit der individuelle Persönlichkeitstyp.

Die Ermittlung erfolgt aufgrund eines Bogens mit dichotomen Fragen. Das sind zweiteilige Fragestellungen, bei denen sich die Antwortmöglichkeiten gegenüberstehen. Sie zielen darauf ab, ob man eher in die eine oder die andere Richtung denkt oder handelt, wenn man sich in einer bestimmten Situation befindet. Manche Tests unterscheiden zudem noch in Varianten mit "eher ja" oder "eher nein".

2. Warum ist der Persönlichkeitstest so umstritten?

Psychologen kritisieren den Test aus verschiedenen Gründen. Zum einen wird angeführt, dass Myers-Briggs den Test bereits entwickelt hatten, bevor sie umfassende wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt hatten. Oder dass er sich kaum verändert habe seitdem er entwickelt wurde. Andere sagen, er entbehre jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Allerdings hatte Carl Jung bereits vor Myers-Briggs an Persönlichkeitstypen gearbeitet, wodurch sich die beiden Frauen letztlich einer fundierten Basis bedient haben. Zudem haben sie 20 Jahre damit verbracht, diese Typen zu erforschen und zu beobachten.

Ich habe viele Menschen in meinem Umfeld gebeten, den Test durchzuführen. Nahezu immer spiegelte er ziemlich akkurat die Persönlichkeit dieser Personen wider. Andere Typen hingegen passten auf diese Personen wenig bis überhaupt nicht.

Der Kritik, man könne sich in jedem dieser Typen wiederfinden, kann ich insofern nicht zustimmen. Das mag einzelne Merkmale betreffen, aber das ist letztlich normal, denn Persönlichkeitstypen überschneiden sich nun einmal in Details. Es wäre eher bedenklich, würde die Abgrenzung derart scharf verlaufen, dass sich Personen nicht auch in kleineren Teilen in anderen Typen wiedererkennen würden.

3. Die Sache mit der Selbstreflexion

In manchen Fällen passten die Ergebnisse allerdings überhaupt nicht auf die Personen. Das war immer dann der Fall, wenn diese Person über wenig Selbstreflexion verfügte. Denn aufgrund der provozierenden Fragestellungen tendieren Einzelne leider dazu, die Fragen eher so zu beantworten, wie sie gerne wären als wie sie tatsächlich sind.

Das tritt häufig bei Typen wie ENTJ oder INTJ auf. Auch wenn betont wird, dass alle Typen gleichermaßen vorteilhaft wie nachteilig sind, kann man manche von ihnen als besonders "beliebt" bezeichnen. Ich hörte von einem Coach, der ENTJ-Seminare anbietet, aber der Meinung ist, in seinen Veranstaltungen würden kaum ENTJ sitzen – sondern bloß viele, die es gerne wären.

Insofern muss man bei diesen Tests etwas vorsichtig sein. Die Kritik an ihnen ist in Teilen nicht ganz unberechtigt, auf der Gegenseite steht aber, dass sie erstaunlich häufig funktionieren, sofern die Person sich selbst gut genug kennt und in der Lage ist, ehrlich auf die Fragen zu antworten. Genau dann spielt der MBTI sein volles Potenzial aus und kann für Menschen außerordentlich hilfreich sein.

Berücksichtigen sollte man zudem, dass Psychologen sich hier offenbar ein wenig ihrer Richtlinienkompetenz entzogen fühlen. Diesen Eindruck erzeugen zumindest manche Aufsätze und vor allem Wikipedia-Artikel, deren Wortwahl dann doch etwas launisch emotional statt rational gewählt wirkt. Auch lässt sich nicht ausschließen, dass einige Kritiker möglicherweise mit ihrem eigenen Assessment unzufrieden waren und dem Test fortan seine Relevanz absprechen möchten.

4. Was bringt mir der MBTI?

Selbst wenn man dem Test keine wissenschaftliche Exaktheit unterstellen kann, es handelt sich dennoch um 16 häufig anzutreffende Persönlichkeitstypen. Ob das Ergebnis nun zu 100 % oder vielleicht nur zu 80 % zutreffend ist, spielt für die Nützlichkeit keine besonders große Rolle.

Denn in allererster Linie sollte er dazu dienen, sich selbst besser kennenzulernen. Das geschieht im Zweifel schon durch die Beantwortung der Fragen, die man sich außerhalb dieses Tests vermutlich nicht stellen würde.

Besonders hilfreich finde ich den MBTI dahingehend, dass er zeigt, wie normal manche Eigenschaften und Denkweisen sind, vor allem, wenn man selbst einen Typ hat, der nicht weit verbreitet ist. Ansonsten neigt man nämlich dazu, bestimmte Ansichten als von der Norm abweichend zu betrachten und zu glauben, man müsse sie ändern, weil der gesellschaftliche Konsens ein anderer ist.

Der MBTI kann aber genauso helfen, den richtigen Karriereweg einzuschlagen oder den richtigen Partner zu finden. Oder zu erfahren, wie man mit bestimmten Menschen und Partnern anderen Typs umgehen sollte. Generell ist er hilfreich, um grundlegende Stärken und Schwächen zu erkennen und bessere Entscheidungen zu treffen.

Er ist nicht dazu da, deine individuellen Fähigkeiten, deine Intelligenz oder dein technisches Verständnis zu ermitteln. Er kann dir nicht vorschreiben, was du erreichen oder nicht erreichen kannst. Außerdem ist der Test ein Gradmesser, du bist in der Regel bei keiner Klasse ausschließlich das eine oder das andere. Der Test zeigt bloß deine Tendenz – von dieser kannst du im Leben in einigen Situationen durchaus abweichen.

Möglicherweise sagt dir der Test nur, was du ohnehin schon wusstest. Auch das kann sehr nützlich sein, denn nicht immer vertrauen wir auf das, was wir insgeheim wussten. Das Ergebnis kann ein weiterer Indikator sein, dass deine Einschätzung richtig war und du auf dem richtigen Weg bist.

Von Unternehmen in den USA wird er nach wie vor gerne eingesetzt, um die offenen Stellen mit den richtigen Mitarbeitern zu besetzen. Einem ENTJ einen Job im Archiv mit wenig Kontakt zu Menschen und ohne Entscheidungskompetenz zuzuweisen, mag für beide Seiten keine lohnenswerte Erfahrung sein.

Allerdings halte ich den Test im unternehmerischen Kontext nur für bedingt aussagekräftig. Denn da den Bewerbern vollkommen klar ist, dass bestimmte Typen stark bevorzugt werden, "üben" sie für diese Tests. Die Ergebnisse sind also in den meisten Fällen weitestgehend unbrauchbar. Auch CPP bezeichnet es als unethisch, diesen Test im Bewerbungsverfahren einzusetzen.

Daher würde ich dir empfehlen, den Test für dich selbst und nicht als Grundlage für eine Bewerbung auszufüllen. Je ehrlicher du antwortest, desto mehr kann er dir helfen.

5. Wo kann ich den MBTI durchführen?

Es gibt verschiedene Anbieter solcher Persönlichkeitstests, der echte MBTI hingegen ist nur kostenpflichtig von durch CPP lizenzierten Trainern erhältlich oder auf der offiziellen Website zu absolvieren.

Der Instagram-Gründer Kevin Systrom erzählte kürzlich, dass der bekannte Hedgefonds-Manager Ray Dalio mit seinen Mitarbeitern den Golden-Test durchführe, woraufhin er selbst das gleiche tat. Er kann unter anderem auf der Website von Golden, LLC durchgeführt werden.

Wer nur einmal einen kurzen Blick auf die Art des Tests und vielleicht eine grobe Einschätzung bekommen möchte, kann auch den kostenfreien Test von 16 Personalities machen.

Das erste Mal kam ich durch 16 Personalities mit Persönlichkeitstests in Berührung, weil eine Freundin von mir ein glühender Anhänger dieses Tests war. Anschließend habe ich noch den Test von Golden und einige ähnliche Tests gemacht, die interessanterweise zu dem gleichen Ergebnis kamen. (Der Test von Golden unterscheidet nicht zwischen J/P, sondern zwischen A/Z, also Adapting gegenüber Organizing.)

Ich rate dringend davon ab, den Test auf Deutsch oder in einer anderen Sprache als Englisch zu absolvieren, außer wenn deine Sprachkenntnisse dem im Weg stehen sollten. Es kommt bei dem Test auch auf die genaue Bedeutung der einzelnen Begriffe an, die im Deutschen in ihrer Bandbreite manchmal nur ungenau repräsentiert werden kann.

6. Tipps für den MBTI

Um den MBTI durchzuführen, solltest du dir Zeit nehmen. Wie viel, hängt von dem jeweiligen Anbieter ab. Generell hilft es jedoch nicht gerade, abgehetzt zu sein oder ihn zwischen zwei Terminen durchzuführen.

Die Fragen sind grundsätzlich diskriminierend gestellt, sodass du dich meistens für eine Seite entscheiden können solltest. Allerdings fällt das bei manchen Fragestellungen dann doch nicht so leicht, wenn man sich erst einmal Gedanken über die Auswirkungen gemacht hat.

Es wird empfohlen, nicht zu lange über die Fragen nachzudenken, sondern eher dem Impuls zu folgen. Das würde ich nur bedingt empfehlen, vor allem, wenn man im Impuls dazu neigt, sich falsch einzuschätzen. Denk über die Fragen ausreichend nach, aber merk dir deinen Impuls. Für ihn solltest du dich vor allem dann entscheiden, wenn das Nachdenken kein klares Ergebnis hervorgebracht hat.

Übe dich immer wieder in Selbstreflexion. Generell gilt: Die meisten Menschen glauben, über sich selbst zu reflektieren, die wenigsten tun es tatsächlich auch nur in einem ausreichenden Maße. Auch die Einschätzung von anderen ist entscheidend, sollte aber weder unreflektiert angenommen noch unreflektiert abgelehnt werden.

Mach den Test allein, aber lass ihn anschließend auch andere für dich ausfüllen. Selbst wenn es nur der kostenlose Test von 16 Personalities ist. Zum einen kann es helfen, zu erkennen, ob du mit deiner eigenen Einschätzung möglicherweise vollkommen daneben lagst. Zum anderen lernst du so zumindest, wie andere dich sehen.

Es gibt keine guten und keine schlechten Typen, auch wenn manche von Arbeitgebern bevorzugt werden. Wenn dann sind nur bestimmte Typen für bestimmte Positionen mit bestimmten Anforderungen besser oder schlechter geeignet. Oder anders ausgedrückt: Manche Positionen und Tätigkeiten machen Menschen bestimmter Typen nicht besonders glücklich, worunter die Leistungsfähigkeit leidet.

Der MBTI kann dir helfen, dich klarer in eine Richtung zu entwickeln und zu einer gewissen charakterlichen Balance zu finden. Wenn du zwanghaft versuchst, ein falsches Testergebnis hervorzurufen, bringt dir das selbst nur nachteilige Effekte ein. Folgst du nämlich anschließend den Empfehlungen eines anderen Typs, führt das mitunter zu Disbalancen und mangelndem beruflichen Erfolg.

Halte dich im Anschluss nicht nur an die Empfehlungen zu deinem speziellen Typ, sondern schau dir auch das Eine oder Andere von anderen Typen ab. Emotionalen Menschen kann es helfen, ihre Entscheidungen sachlicher zu treffen. Sehr rationale Menschen profitieren mitunter davon, ihre Emotionen nicht durchweg in eine Box zu sperren und unter dem Bett zu verstecken. Dein Persönlichkeitstyp ist kein klar vorgezeichneter Lebensweg.

7. Fazit

Mach den MBTI nicht davon abhängig, ob Psychologen ihren Berufsstand gefährdet sehen. Wenn du dich von dem Ergebnis gut einschätzt fühlst und du der Meinung bist, dass du die Fragen wahrheitsgemäß beantwortet hast, spricht nichts dagegen, sich mit seinem Persönlichkeitstyp näher auseinanderzusetzen.

Du wirst feststellen, dass er nicht zu 100 % auf dich passt und dass es womöglich kleinere Überschneidungen mit anderen Typen gibt. Das ist gut, zeigt es doch, dass wir trotz aller Schubladen immer noch eine so individuelle Ausprägung haben, dass wir nicht gänzlich hineinpassen.

Du wirst auch sehen, dass das Glück nicht deshalb auf dich wartet, nur weil du dich exakt an diesem Muster entlang entwickelst und alle Empfehlungen befolgst.

Aber mit großer Wahrscheinlichkeit wird dir das Ergebnis helfen, deine Besonderheiten besser anzunehmen und bessere Entscheidungen für deine Zukunft zu treffen. Vielleicht kommt dein Traumjob nicht in der Liste vor, doch womöglich entspricht er denselben Kriterien. Vielleicht stellst du aber auch fest, dass der Job, für den du dich damals entschieden hast, nicht weiter von deiner Persönlichkeit entfernt sein könnte. Und dass du damit dein Potenzial tatsächlich nicht ausschöpfst.

Der MBTI ist aus meiner Sicht in vielerlei Hinsicht eine gute Entscheidungshilfe. Das bedeutet aber nicht, dass du deinen Kopf auf Autopilot schalten kannst. Denn Entscheidungen triffst nach wie vor du selbst, niemals ein Testergebnis.

Ein Kompass zeigt dir nur den groben Weg, er bewahrt dich nicht davor, gegen Bäume zu laufen oder von Autos überfahren zu werden. Schau also auch weiterhin nach links und rechts, bevor du eine Straße überquerst.

In diesem Beitrag werden Werke der folgenden Urheber verwendet:

  • unsplash.com / @mr_geshani
Alexander Hetzel

Alexander Hetzel hat THEEEQ gegründet, weil er immer noch nach dem effizientesten Weg sucht, um dutzende Zimmerpflanzen am Leben zu erhalten. In der Nacht kämpft er gegen Spinnweben und leitet Gladspring, eine Strategieberatung für exklusive Marken.

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