Suche
Mobiles Menü öffnen

Mit dieser Methode lernst du Neues am effektivsten

Effektives Lernen (Foto: Eine Frau steht auf einer Bühne und hält einen Vortrag.)

Kurzfassung: Studien deuten darauf hin, dass es keine unterschiedlichen Lerntypen gibt. Es gibt aber dennoch eine besonders effektive Lernmethode: Erkläre anderen, was du gelernt hast. Durch das Abrufen, das Auseinandersetzen, das Vereinfachen verankerst du die Lerninhalte deutlich besser. Du kannst ein Blog führen, einen Podcast erstellen oder Videos aufnehmen und Kurse anbieten. Solche Plattformen können unter Umständen zu lukrativen Einnahmequellen werden oder deine Reputation als Experte fördern. Der Aufwand kann sich mehrfach lohnen.

Der Inbegriff der Selbstoptimierung ist das Lernen. Schon lange haben wir uns davon verabschiedet, das nur auf die schulische und universitäre Bildung zu beschränken. "Lebenslanges Lernen" ist das Schlagwort der Stunde – denn wir wissen genau, dass wir ohne zu lernen nicht nur stehen bleiben, sondern sogar Schritte zurückgehen.

Doch wie lernt man etwas Neues eigentlich am besten?

1. Die Mär von den Lerntypen

Eine Sache können wir getrost zu den Akten legen und das ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Lerntypen. Bislang konnte nicht nachgewiesen werden, dass es so etwas wirklich gibt.

Auch Aussagen, dass wir nur 10 % von dem behalten würden, was wir lesen, sind aus der Luft gegriffen bzw. falsch zitiert worden. Der in diesem Zusammenhang so oft "zitierte" Edgar Dale hat das nie behauptet. Sein berühmter "Cone", eine eiswaffelförmige Grafik, die verschiedene Herangehensweisen an das Lernen vermeintlich nach Effektivität staffeln soll, hat in dieser Form nie existiert. Und dennoch sind Blogs und Bücher voll damit.

2. Eine Lernmethode sticht trotzdem hervor

Obwohl die Sache mit den Lerntypen nur ein Mythos ist, hat sich eine Lernmethode herauskristallisiert, die doch effektiver ist als so viele andere.

Wir lernen am besten, indem wir erklären. Idealerweise erklären wir das Gelernte sogar einem Kind, denn dadurch sind wir gezwungen, die Inhalte wirklich zu durchdringen, sonst könnten wir sie nicht auf eine möglichst simple Form herunterbrechen. Der Physiker Richard Feynman hat diese Methode berühmt gemacht.

Diese Herangehensweise ist außergewöhnlich effektiv, zumindest wenn sie das Abrufen des Lernstoffes voraussetzt. Das heißt, wenn wir Notizen in der Hand halten, mithilfe derer wir die Thematik erklären, lernen wir deutlich ineffektiver. Es ist nötig, das gelernte Wissen abzurufen, denn es ist dieser Prozess des Abrufens, der das Lernen effektiv macht.

Hinzu kommt, dass wir das Wissen vermutlich dadurch noch stärker verankern, dass wir uns im Klaren sind, dass wir dieses Wissen später abrufen müssen, um es zu erklären. Wir lernen also schon bei der ersten Aneignung effektiver.

Also, wie können wir das nun für uns selbst nutzen, wenn wir nicht zufällig Dozent sind und mehr oder weniger wissbegierige Menschen vor uns sitzen haben?

3. So erklärst du anderen, was du gerade lernst

Durch das Internet haben wir zum Glück zahlreiche Möglichkeiten, anderen etwas beizubringen. Für uns ist dabei ja vor allem das Abrufen wichtig – und das Wissen darum, dass wir das Gelernte zeitnah benötigen werden. Es spielt demnach also keine große Rolle, ob wirklich Personen anwesend sind – unser Output ist das, was zählt.

a) Schreiben

Am einfachsten kannst du anderen dein Gelerntes anderen näherbringen, indem du darüber schreibst. Ein Blog ist in wenigen Minuten aufgesetzt (z.B. bei Medium), das muss ja nicht gleich das selbstgehostete WordPress-Blog sein.

Ein Blog zu führen ist so effektiv, dass sogar Universitäten wie Harvard und Stanford ihren Studenten ans Herz legen, über das zu bloggen, was sie bis zu ihrem Abschluss lernen. Das Blog hilft, dieses Wissen förmlich im Gehirn zu verankern.

Du willst mit deinem Gelernten nicht an die Öffentlichkeit? Dann schreib trotzdem. Verarbeite das Gelernte in einem Tagebuch oder schreib online unter einem Pseudonym. Niemand muss jemals wissen, dass das alles von dir ist und trotzdem hast du Menschen damit womöglich geholfen. Das motiviert zusätzlich.

Wenn dir ein eigenes Blog zu viel ist, kannst du auch etwaige vorhandene Social Media Channels zu diesem Zweck verwenden. Schreib dein Wissen bei LinkedIn (sofern beruflich relevant) nieder oder bei Facebook. Du kannst es auch in winzige Wissenspäckchen aufteilen und bei Twitter posten. Wichtig ist nur, dass du dich mit dem Stoff auseinandersetzt und Output erzeugst. Wie und wo ist zweitrangig.

b) Sprechen

Was wir bei den Millionen von Blogs vergessen, ist die simple Tatsache, dass das Schreiben nicht jedem liegt. Nicht jeder fühlt sich wohl dabei, Gedanken zu tippen statt zu sprechen.

Warum kein Podcast? Podcasts sind viel trendiger als Blogs und werden ihren endgültigen Durchbruch in Deutschland erst noch erleben. Jetzt ist immer noch eine gute Zeit, damit zu starten.

Die technischen Hürden sind nicht ganz niedrig, wenn es gut klingen soll. Aber wer es einfach nur zum Lernen nutzen möchte und nicht auf eine bestimmte Qualität angewiesen ist, der kann mit verhältnismäßig geringem Aufwand zum Podcaster werden.

Der Vorteil ist: So trainierst du gleich Speaking-Fähigkeiten, die beim nächsten Vortrag oder selbst im nächsten Meeting sofort einsetzbar sind.

c) Zeigen

Du bevorzugst audiovisuelle Elemente? Dann könnte es eine gute Idee sein, einen eigenen YouTube-Channel zu gründen.

Dabei ist, das muss man leider an dieser Stelle erwähnen, der Aufwand noch signifikant höher als beim Podcast. Doch auch hier gilt: Wenn es nur für dich zum Lernen ist, kann es dir im Zweifel gleichgültig sein, wie die Qualität ausfällt. Ein iPhone-Video, das Wissen vermittelt, ist besser als ein perfekt produziertes, das nur oberflächliche Inhalte bietet.

Und am Ende geht es ohnehin nur darum, dass du Output hast, nicht wie der Input bei anderen Menschen ankommt.

Falls du nicht gerne vor der Kamera stehst, gibt es übrigens noch eine Alternative: Erstell einen Screencast. Ein Screencast ist nichts anderes als dein Monitor, der zusammen mit deiner Stimme aufgezeichnet wird (oder nacheinander). Das eignet sich hervorragend, um anderen eine Software zu erklären. Aber gepaart mit einer PowerPoint-Präsentation wird es zu einem kleinen Vortrag. Der große Vorteil: Du musst dabei nicht zwingend zu sehen sein.

d) Unterrichten

Wenn du wirklich alles aus deiner Lernerfahrung herausholen willst, kannst du natürlich auch die obigen Formate miteinander kombinieren und einen Online-Kurs erstellen.

Hierfür sind mindestens Screencasts und ein paar Texte erforderlich, aber natürlich kannst du Quizzes erstellen und sogar Zertifikate verteilen.

4. Was du noch davon hast, anderen das Gelernte zu erklären

Nur um etwas zu lernen, ist das alles ein ganz schöner Aufwand. Ein paar Blogbeiträge mögen noch schnell geschrieben sein, aber ein Podcast oder gar Videos? Ist das nicht ein bisschen viel verlangt?

Möglicherweise. Wären da nicht noch ein paar weitere erwähnenswerte Vorzüge.

a) Berufliche Reputation

Wenn das, was du lernen willst, relevant für deinen Beruf ist, kann sich dieses Projekt gleich doppelt auszahlen.

Neben dem Lerneffekt profitierst du noch davon, dass du immer mehr zu einem Experten auf deinem neuen Feld wirst und deine Reputation steigt. Das kann dir mehr Aufträge, mehr Gehalt oder einen besseren Job einbringen.

Solche Plattformen sollte man in ihrer Wirkung nie unterschätzen. Gerade in hart umkämpften Märkten kann das der eine kleine Vorteil sein, der die Waage zum Ausschlagen bringt.

b) Nebenberufliche Einkünfte

Unabhängig davon, ob die Lerninhalte thematisch zu deinem Beruf passen oder nicht weiter davon entfernt sein könnten: Ein Blog kann eine mehr oder weniger lukrative Einnahmequelle sein.

Du kannst im einfachsten Falle Werbung schalten, aber natürlich auch E-Books oder Kurse verkaufen. Oder was auch immer sonst noch in Verbindung mit dem Thema an den Mann oder die Frau gebracht werden kann.

Es ist jedoch wichtig, realistisch zu bleiben. Es dauert Jahre, bis ein Blog Geld abwirft. Eine Garantie gibt es dafür nicht. Alles hängt wie so oft davon ab, ob es eine Zielgruppe gibt, ob die Inhalte das Interesse der Zielgruppe wecken und wie hoch der Anteil der Kaufbereiten darunter ist. Auch die Produkte müssen am Ende natürlich wieder den Geschmack der Leute treffen und entsprechend aufbereitet sein.

Aber es besteht zumindest du Chance. Ich rate dir, mach es wegen der Lerneffekte, aber lass dich dadurch motivieren, dass es möglicherweise noch einige weitere Türen gibt, die sich durch so eine Plattform öffnen. Die Nebeneinkünfte können klein und trotzdem lohnenswert sein. Bei anderen haben sie bei weitem das übertroffen, was sie in ihrem eigentlichen Job verdienen.

c) Unternehmen unterstützen Plattformen

Es müssen aber auch nicht immer zählbare Nebeneinkünfte sein. Zahllose Unternehmen haben erkannt, dass Blogs und Podcasts hervorragende Werbeplattformen sind. Sie unterstützen sie deshalb gerne mit kostenlosen Exemplaren ihrer Produkte.

Ich hatte einmal ein Blog, mit dem ich mir das Zeichnen beibringen wollte. Etwas, das mich seit meiner Kindheit fasziniert hat und in dem niemand hätte schlechter sein können als ich. Selbst meine Strichmännchen sahen aus, als hätte ich sie beim Rückenschwimmen gezeichnet.

Durch das Blog machte ich unheimlich schnell Fortschritte – und es zeigte sich sehr bald noch ein weiterer Vorteil: Unternehmen, die Künstlermaterialien herstellten, wollten mit ihren Materialien ebenfalls dort vertreten sein. Denn ich hatte bereits angefangen, einzelne Produkte, die ich selbst gekauft hatte, vorzustellen. Da möchte man ungern unter denen sein, deren Produkte dort gar nicht erwähnt werden.

Bereits die ersten zwei E-Mails, die ich versendete, stießen gleich auf Gehör. Kurze Zeit später brachte der Bote die ersten Pakete. Die ersten von sehr vielen weiteren, die in den kommenden Monaten folgen sollten. Die Inhalte einer einzelnen Sendung hätten regulär oftmals einige Hundert Euro gekostet – ich stellte sie einfach nur vor und konnte sie behalten. (Wenngleich der Zeitaufwand, den ich pro Artikel betrieb, immens war.)

Das mag heute in manchen Bereichen (insbesondere Fashion) etwas schwieriger sein, aber es gibt so viele Branchen, in denen sich Unternehmen ein paar ansprechende Blogs wünschen würden.

Möglicherweise sparst du dadurch eine signifikante Menge an Geld ein, die du anderenfalls selbst in Materialien bzw. die Ausübung der Tätigkeit gesteckt hättest.

5. Fazit

Insbesondere das Blog als Lerninstrument kann ich dir wirklich nahelegen. Ich habe diese Methode schon mehrfach angewandt und es war fast immer ein großer Erfolg. Neben dem Zeichnen habe ich mir so z.B. die Ukulele beigebracht.

Das künstlerische Blog ist mittlerweile geschlossen und das andere ist weitestgehend inaktiv seit ich alle Songs von Taylor Swift spielen kann. Es wird aber trotzdem immer stärker besucht und hat mittlerweile schon eine stattliche Anzahl an Newsletter-Abonnenten. Das spielt aber alles keine Rolle. Diese Blogs sind dafür gedacht, dass du aus ihnen lernst. Dann haben sie ihren Zweck erfüllt.

Und wenn du dann anderen noch damit weiterhelfen konntest, auf welche Weise auch immer, dann kannst du es wirklich als Win-Win-Situation verbuchen. Oder vielleicht sogar eine zweite Karriere darauf aufbauen.

Was willst du als nächstes Lernen? Lohnt es sich, dafür ein Blog oder einen Podcast zu erstellen? Lass uns darüber in den Kommentaren unten diskutieren.

In diesem Beitrag werden Werke der folgenden Urheber verwendet:

  • unsplash.com / @productschool
Alexander Hetzel

Alexander Hetzel hat THEEEQ gegründet, weil er immer noch nach dem effizientesten Weg sucht, um dutzende Zimmerpflanzen am Leben zu erhalten. In der Nacht kämpft er gegen Spinnweben und leitet Gladspring, eine Strategieberatung für exklusive Marken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.